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1.Mai - Neonazis in Dortmund

Von Jan-Paul | 2.Mai 2007

Neonazis in Dortmund. Die gesammelte Rechte versucht wie schon einmal den 1.Mai als „Tag der deutschen Arbeit“ zu vereinnahmen. Ein umfangreicher Bericht von ganz nah dran.

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Mannschaftswagen wohin man sieht; Pferde, Hunde, Hubschrauber. Männer mit Feuerlöscher auf dem Rücken, Wasserwerfer und technisches Gerät. Überall Polizei. Aber von den Rechten sieht man nichts. Schon weit vor dem angekündigten Aufmarschgebiet, demonstriert die Staatsmacht überall Präsenz, versucht die Gegendemonstranten fern zu halten und für Ruhe zu sorgen. Die Notlüge „Oma in der Kollwitzstraße“ funktioniert: Durch die erste Straßensperre werde ich durchgelassen. Ich laufe Richtung Wambel. - Polizei und Passanten, Ausflügler und spielende Kinder, allesamt ein wenig aufgeregt, aber immer noch keine Rechten weit und breit.

„Ja, die Sonne scheint auch für Nazis.“

Schon an der nächsten Sperre werde ich nicht durchgelassen, „Nein, S-Bahnen fahren heute nicht mehr“, die Antifa habe mit einem Brand die Gleise blockiert. „Wo ich denn mal Nazis sehen könne?“ frage ich gespielt naiv. Ein Polizist gibt mir einen Tipp, der sich mit meinem Plan des Aufmarsches aus dem Netz deckt. Ich laufe bei Hochsommer-Wetter durch Körne. Zwei Polizisten simulieren an einer Baustelle einen Angriff mit den herumstehenden, gestapelten Pflastersteinen. Ständig kein Durchlass, aber mit einem Umweg komme ich auf etwa hundert Meter an den ersten Sammelplatz heran.

Mit lauen Windböen weht Musik herüber, die an eine x-beliebige Jugenzentrums-Kellerband erinnert. Ich stehe vor einem Spalier von freundlichen Polizisten, die sich darüber streiten, ob sie die Demonstranten jetzt einfach „Nazis“ nennen dürfen oder „Menschen mit rechter Gesinnung“ nennen sollen. Rote Ballons erinnern an ein Gewerkschafts-Kinderfest. Ein paar Fahrradfahrer regen sich über die Umleitungen auf. Gespannt starren ganze Familien in die Richtung der Nazis, als ob sie einen Hirsch in einem Wildgehege suchen würden. Es fehlt nur ein Kind das freudig ruft: „Mama, Mama, guck mal da: ein Nazi!“

Zwei Mädchen, auf deren rechte Gesinnung man nur von der Laufrichtung her schließen kann und ein halb-nackter Skinhead der es sich auf einer anliegenden Wiese mit einem Bier bequem gemacht hat, sind dann erste Kontakte mit dem unbekannten Wesen Neonazi. Weiter auf dem Weg zur Marschroute sieht es so aus, als würde der ganze Stadtteil kollektiv umziehen wollen: Überall stehen Parkschilder „Parkverbot von 0.00-21.00“ - Hier werden sie also demonstrieren.

An einer Bus-Haltestelle finden sich halb-abgerissen Plakate. So zerfetzt sind sie kaum einem politischen Spektrum zuzuordnen: Rechts wie Links benutzt rot, schwarz und weiß. Auch die Ikonographie ist ähnlich und sogar den linken Tonfall machen sich die Rechten zu eigen. – „Gemeinsam Kapitalismus bekämpfen“ prangt auf dem Demonstrationsaufruf. Nur das Plakat der Gegendemo „Bunt statt Braun“ fällt mottogemäß aus dem Drei-Farben-Schema. Auf ihm erinnern psychedelisch anmutenden Schmetterlinge an die Hippi-Era.

plakate.JPG

„Den Gewerkschaftsbossen sollte man mal Schüppe und Handfeger geben.“

Auf der Paderborner Straße laufen die Anwohner aufgeregt herum. Einige diskutieren über die Gewerkschaftsführer, die die Interessen der kleinen Arbeiter verraten hätten. Neugierig schauen die Menschen auf Kissen gestützt aus ihren Fenstern, doch der Zug lässt auf sich warten. „Ich glaube ich komme in einer halben Stunde wieder.“ hört man eine Frau sagen und die Straße lehrt sich ein wenig. Der Rio-Reiser Song „Menschenfresser“ schallt in einer Cover-Version laut aus einem Wohnzimmer. Hier soll also gleich der Demonstrationszug vorbeilaufen, vorbei an „Foto Rüdiger“, „Güneş Grill“ und „ana`s eis“, wo sich Schaulustige, Gegendemonstranten wie Polizei Eis kaufen, um die Warterei zu verkürzen.

Die viralen Netzwerke der Bürger, die sich zum Protest eingefunden haben, werden durch einige Fahrradfahrer realisiert. Immer wieder hört man Gerüchte - von der Antifa, von der Gegendemo in der Innenstadt und von den rechten Demonstration, die offenbar durch die S-Bahn-Störaktion zweigeteilt wurde. Eine ältere Frau sinniert über das Enstehen des Nazitums aus fehlender Mutterliebe. Ein älterer Mann, der mit seinem Frau vor der Kette von Einsatzfahrzeugen steht, macht ein Foto mit seiner Handy-Kamera. Sofort kommt eine Polizistin aus dem Auto gesprungen – um die beiden darauf anzusprechen, dass sie doch in Mallorca im gleichen Hotel gewohnt haben. Hier und da entstehen hitzige Debatten unter den Passanten: Eine Demokratie brauche Volksentscheide. Ehemalige Gewerkschaftler beschweren sich über die zu zahmen Tarifforderungen und ihre Bezahlung im öffentlichem Dienst. Unter den ungefähr 80 Gegendemonstranten herrscht Uneinigkeit: Die einen hoffen die Nazis zu sehen, um ihre Veranstaltung lautstark zu kommentieren, die anderen hoffen, dass sie gar nicht loslaufen können. Da bringt eine Fahrradbotin die Nachricht: Sie kommen!

„Nationalistischer Sozialistischer Widerstand“. Ein Redner ist „mit der Politik der Demokraten nicht einverstanden“ und möchte „den Kapitalismus abschaffen“. Danach ziehen sie unter lauten Sprechgesängen „frei, sozial und national“ weiter. Während aus „Deutschland erwache“ „Europa erwache“ geworden ist, verwandelt sich die, wie so vieles, aus dem feindlichen Lager entfremdete Parole „Internationale Solidarität“ in nunmehr nur noch „Nationale Solidarität“. Natürlich wird genüsslich darauf hingewiesen, dass erst Adolf Hitler den 1.Mai in Deutschland zum gesetzlichen Feiertag gemacht hat. Gegen die mit Akzent aus der ersten Reihe gegrölten Parolen wohl niederländischer Skinheads, schreien couragierte Bürger den zu diesem Zeitpunkt vielleicht 400 Rechtsradikalen „Nazis raus“ und „Nazis von der Straße fegen“ entgegen. Sorgsam wird von den Ordnern das Fortschreiten der hinter Transparenten laufenden Phalanx um die Ecken choreographiert.

„Die Kameraden können jetzt zum Lautsprechwagen vorrücken“

Von einem LKW hält Christian Worch eine Rede. Währenddessen kommt es zu einer kleinen Rangelei mit einem Gegendemonstranten, der die Versammlung aus der Nähe filmen will. Langsam werden die Demonstranten an den Straßenrand gedrängt und doch gibt es Bereiche, in denen man nicht sicher ist, ob man neben einem Linken oder einem Rechten, einem Journalisten oder einem Schaulustigen steht. Die Rede ist eine Mixtur aus allgemeinen Plattitüden der Politikverdrossenheit, in Georg-Strasser-Manier adaptierten antikapitalistischen Forderungen und antiamerikanischer Zuspitzungen. Tenor: „Für einen sozialistischen Nationalismus“ - Wer das umdreht wird klüger. Es geht gegen „Gutmenschen und Gewerkschaftler“ als „Helfer des kapitalistischen Systems“. Fischer und Kohl kriegen wahllos Schelte, der eine wegen seiner Steinewerfer-Vergangenheit und seiner wohl dotierten Harvard-Professur, der andere wegen seines „Ehrenwortes“ in der Schmiergeldaffäre. Linker Populismus pur, Worch redet sich in [r]age. Trotz einzelner Versprecher, Reden halten kann er. Er adressiert seine Worte an „Kameraden, liebe Bürger und Bürgerinnen“. Zwischendurch scheint durch all die Anti-Globalisierungsfassade sein Geschichtsverständnis durch, so redet er von der Wiedervereinigung als dem Erreichen der „Klein-Deutschen-Lösung“. Nur bei seinem Exkurs über die neuen Bundesländer muss sich Worch kurz korrigieren: Natürlich sind das nicht die ostdeutschen, sondern die mitteldeutschen Lande. Und Ostdeutschland ist „ehemaliges Reichsgebiet, zur Zeit unter polnischer Verwaltung“. Zwischendurch will er sogar das ökologische Thema vereinnahmen, aber dann redet er wieder vom „Kapital ohne Heimat“ und von „gefährlich bevölkerungsreichen Weltgegenden“, von den „1% Ultra-Reichen“ die „99% des Weltreichtums“ besäßen. Aber auch in gebräuchlicheren Bildern von der „Schere zwischen Arm und Reich“, der „US-Armee als Weltpolizei“ und des „internationalen und modernen Raubtierkapitalismus“ zielt der Mann in weißem Hemd und Nietengürtel auf die linken Ideen der breiten Bevölkerung. Schließlich zitiert er in dieser unglaublichen Umarmungsstrategie auch noch ausgerechnet den Anti-Faschisten Brecht. Alles um die eigenen Leute als neuartige, antiautoritäre und dissidentenartige, neue deutsche Volks-Bewegung darzustellen. Der Weiterzug wird dann mit der Bemerkung, es gehe jetzt „ohne einen Musikbeitrag weiter zu den Kameraden“ eingeleitet.

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Die Transparente der Demonstranten besetzen dagegen noch klar rechte Themen. Eines wendet sich gegen die Paragraphen §86 ( u.a. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und §130 (Volksverhetzung) des Strafgesetzbuchs, ein Thema das Globalisierungskritikern wohl nicht wirklich am Herzen liegen wird. Andere Transparente tragen Gruppennamen wie „Russlanddeutsche in der NPD“ oder fordern „Nürnberg 1946 – Schandurteile revidieren“. Mehrer schwarzen Fahnen mit schwarz-weiß-roter Reichflaggen in einer Ecke komplettieren den Eindruck einer „normalen“ rechten Demo.

„We know our enemy“

Die rechten Demonstranten sind jung, man sieht typische Skinheads mit Tätowierungen, aber auch Menschen, deren Stil eher nach Antifa als Nazi aussieht. In lässigen Kapuzenpullis, halblangen Tarnfarben-Hosen, Chuks und Vans sprengen sie den klar identifizierbaren rechten Code. Manche sehen modisch vollkommen unauffällig aus. Ältere laufen in Shorts und weißen Socken in Birkenstocks mit, ein Greis (Otto Riehs?) lässt sich im Wagen von den Kameraden kutschieren. Frauen sind deutlich unterrepräsentiert, aber auch hier reicht das Spektrum von der wasserstoffblonden Dauerwelle bis zum jungen Mädchen in rotem Kleid.

Ruppig geht es zwischen den Demonstranten und den begleitenden Gegendemonstranten hin und her: „USA Völkermordzentrale“ vs. „Güle, Güle, Güle“ (Türkisch: Auf Wiedersehen). Aber auch die Gegendemonstranten haben Idioten unter sich - Vereinzelt werden provokante anti-deutsche Slogans wie „Jeder Schuss ein deutscher Soldat – Stalingrad“ gegrölt. Bei den Rechten wirkt der Sprechgesang „Ob Ost, Ob West - nieder mit der roten Pest“, ob ihrer neu-entdeckten eigenen Vorliebe für diese Farbe fast schon peinlich. Doch auch Neonazis haben ein gewisses sprachliches Kreativitätspotential. Die Sprechgesänge „Nazis raus“ werden mit „aus dem Knast“ gekontert.

Subtile Blickgefechte als beidseitige Einschüchterungsversuche werden probiert. Ständig werden Fotos vom feindlichen Lager gemacht. Ein Sweatshirt eines Neonazis illustriert das System. Darauf: „We know our enemy“ und eine unerfreulich dreinschauenden Bulldoge. Da fallen die Stinkefinger auf beiden Seiten schon gar nicht mehr auf. Per Megaphon wird dann auch noch das „Recht auf angemessene Selbstverteidigung gegen Systembürger“ propagiert. Zwischendurch hält die Polizei die Gegendemonstranten immer wieder an. Auf dem Marsch der Neonazis wird derweil von „neuen, freien und starken Menschen“ und einem sozialistischen Europa der Völker fantasiert. Von den weit abgeschotteten Antifas hört man ein „Bildet Banden, macht sie platt“.

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Irgendwann gelangt der Zug dann dorthin, wo er hingehört: Auf einen „Mehrzweckplatz“ neben einem Abstellgleis. Dort treffen sich die getrennten Lager der Rechten zur Kundgebung. Die Polizei riegelt das Gebiet gründlich ab und als zivil aussehender Mensch ohne Presseausweis ist es nicht mehr möglich den Verlauf der Veranstaltung zu folgen.

„Ich möchte ein freies, weißes Deutschland“

Zwei Rechtsradikale, vielleicht gerade 18, die ihren letzten Zuge kriegen müssen, geben mir auf dem Rückweg nach ihren Zielen befragt bereitwillig Auskünfte über ihre Gesinnung. Ohne Propaganda-Schleier redet einer von ihnen Klartext: „Die JN ist so was wie die HJ nur in neu“, „die Juden haben vor dem Krieg für die Deutschen gearbeitet uns sind dann nach Amerika und England“ und „den Holocaust hat es nämlich gar nicht gegeben“. Derzeit ginge es in Deutschland ungerecht zu: „Wenn ein Neger 10 Frauen vergewaltigt kommt er frei“ und „deutsche Arbeiterinnen bekommen weniger Geld als türkische“. Er sieht seine Bewegung aber auch kritisch, schlimm findet er „die Pubertierenden, die mit ner Bomberjacke rumlaufen, und nicht wissen wofür die steht“, man müsse sich schon „auskennen mit der Geschichte und so“. Auf die Nachfrage, warum die Nazis ausgerechnet am 1. Mai demonstrieren, antwortet er: „Dass der erste Mai ein linkes Fest ist, wusste ich nicht, aber man kann ja nicht alles wissen.“. Ja, gegen den Kapitalismus wäre er, doch entschuldigend fügt er hinzu: „Die Termine der Demos erfahre ich vorher, aber die Themen, weiß ich dann erst vor Ort“. Schade findet er, dass die Demonstranten „hier ja keine richtigen rechten Lieder spielen dürfen“. Am Ende führt er äußerst beruhigend aus, dass wenn die Rechte an der Macht ist „auch Meinungsfreiheit herrscht, aber nicht so krass“. Meine Zweifel wischt er lapidar hinweg: „wenn Du länger dabei bist, verstehst Du das alles“.

Langsam laufe ich den Weg zurück zu meinem an der B1 abgestellten Auto, an einer Tankstelle lassen sich Rechte, Passanten und Polizei von einem indisch aussehendem Menschen bedienen, kleinere Gruppen der Antifa laufen neben irritiert wirkenden Joggerinnen durch den Ostfriedhof und ein einsamer „1.Mai“ Ballon der Rechten hängt in einem Baum. Die überall herumstehenden Polizisten fallen schon gar nicht mehr auf.

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Themen: Politisches, Aktuelles |

20 Kommentare to “1.Mai - Neonazis in Dortmund”

  1. Phil schreibt:
    2nd.Mai 2007 um 16:33

    Tja Paul,
    ein sehr schöner Bericht aus der ersten Reihe. Wenn Du Dir damit nicht mal ein schönes Geburtstagsgeschenk gemacht hast. ;-) Aber wenn Du länger dabei bist, verstehst Du das schon alles.

    Es waren ja erschreckend viele Rechte da. 1300 solles es laut Radio gewesen sein. Aber vor Leuten, die sich derartig gut mit Geschichte und so auskennen und sich so unauffällig linke Themen auf die Fahnen schreiben, brauchen wir keine Angst haben. So viele dumme Menschen kann es gar nicht geben, dass von solchen Gruppen ernsthafte Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung ausginge…
    Denn die Dummen teilen sie sich ja auch noch mit den Autonomen. Die S4 fährt glaube ich immer noch nicht wieder planmäßig.

  2. Paul Rein schreibt:
    2nd.Mai 2007 um 19:45

    Tach,
    also zum Kommentar möcht man sagen… dummes Posting… Linke Themen? Man kann ja schon fast behaupten das die Linken das Rad erfunden haben oder nicht?
    Auf Aktion erfolgt Reaktion und nicht anders, ich denke wenn man nicht mit der Politik in diesem System leben kann muß man etwas dagegen tun aber kann man deshalb die Probleme in bestimmte Gruppierungen unterteilen?
    Woran das wohl liegen mag das sich normal gekleidete Jugendliche unter den ..Nazis… befanden. !? *grübel*
    Die Ignoranz gegenüber dem Wesentlichen fehlt euch Gutmenschen einfach. Ja es sind nationale Menschen, aber Nazis? Ja, es gibt viele Themen über die man streiten könnte! Und JA, die machen aber wenigstens was! Sie werden belächelt weil viele junge Menschen mit dabei sind und deshalb als naiv dahingestellt.
    Aber sie werfen keine Steine wie dumme linke Krawallbrüder. Schwarze Schafe gibt es überall.

  3. Aufmerksamer Beobachter schreibt:
    2nd.Mai 2007 um 23:50

    Ja, es waren ganz sicher erschreckend viele Nazis!

  4. Aufmerksamer Beobachter schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 00:10

    Ja, die jungen Nazis tun auch etwas. Ich denke von Christian Worch und Anderen lernen Menschen zu verachten! Danken sollten wir vor allem den jungen Antifaschisten, weil sie teilweise ihr leben auch für uns riskieren. Es ist unerträglich!

  5. Barbara schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 09:56

    Lieber Paul,

    inhaltlich und vor allem stilistisch ein sehr wohlgeratener Artikel!

    Wobei der Anlass natürlich sehr unerfreulich ist. Mir machen die Dummheit, die Unreflektiertheit, aber auch das Gewaltpotential vieler Menschen Sorgen.

    @Phil: Ich hoffe, dass Du in Bezug auf die freiheitlich demokratische Grundordnung Recht behalten wirst.

  6. NPD UNNA/HAMM schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 10:55

    Ein interessant geschriebener Artikel. Ihre Bewertungen sind manchmal etwas sehr plakativ, aber informativ zu lesen. Den beiden jungen Gesprächspartnern ( i.S. HJ-JN und Verhältnis Deutsche-Juden ) widersprechen wir aber ausdrücklich. Die JN sind eben keine Nachfolgeorganisation der HJ und über den zweiten Themenkomplex müssen die beiden Jungens noch viel lernen. Die NPD ist auch kein zweiter Aufguss der NSDAP sondern eine moderne, nationalistische Partei, die selbstverständlich Demokratie und Gewaltenteilung vertritt aber die demokratischen Grundrechte auch für sich beansprucht. Vielleicht lesen Sie doch einfach einmal unser Programm, das Sie auszugsweise auch auf unserer Internetseite finden können.

  7. Essen-West schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 13:18

    Interessanter und gut geschriebener Artikel, nur ist die Einschätzung, die Rechten würden linke Themen okkupieren mMn teilweise falsch. Sicherlich ist der Gebrauch von Brecht-Zitaten als genau dies anzusehen, also als Vereinnahmungsversuch, aber gerade was zB das Thema Ökologie angeht, sieht das schon anders aus. Ökologie ist historisch gesehen sogar ein explizites Thema der Rechten, was später erst von den den Grünen und damit eher Linken (wobei es auch in den Grünen lange einen rechtsextremen Flügel gab) übernommen wurde.
    Literaturempfehlung dazu: Oliver Geden - rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus. gibt es zb bei www.zvab.com günstig

    Auch ihren Antikapitalismus meinen die Nazis durchaus ernst, natürlich begreifen sie den Kapitalismus nicht wirklich, sie begreifen Mehrwert, Tauschwert, Wertverfall, Entfremdung nicht, sie sehen nur die abgespaltene, abstrakte Seite kapitalistischer Wertschöpfung, also das Geld. Das Geld verknüpfen sie in antisemitischer Denkweise mit den Juden und spalten die Produktion in “raffend” und “schaffend” auf. Das ist alles großer Humbug, aber innerhalb ihrer falschen Analyse sind sie dann durchaus antikapitalistisch, wenn sie natürlich auch niemals damit eines der Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft durchbrechen. Aber die Vernichtung der Juden, also der Holocaust sind somit die stringente Konsequenz dieser Logik, so sieht der Antikapitalismus der Nazis aus. Dieser ist nicht nur aufgesetzt oder der Versuch linken Populismus zu betreiben, sondern im wahrsten Sinne des Wortes todernst gemeint, wenn sich auch aus einer falschen Analyse speisend.

    Dann möchte ich noch kurz was zu diesem schwachsinnigen Kommentar sagen: “Aber sie werfen keine Steine wie dumme linke Krawallbrüder.”
    Eine Diskussion über Sinn&Unsinn von Militanz erspare ich mir mal, aber die Gewalt der Linken (die sich meist gegen Sachen richtet, nur im Extremfall gegen Personen) hier hervozuheben und dabei so zu tun, als ob der braune Kamerad friedliebend wäre, halte ich für eine gefährliche Verdrehung. Vielleicht schaut man sich mal an, wieviele Menschen die Rechten seit der Wiedervereinigung totgeschlagen, angezündet oder anderweitig ermordet haben. Ein Blick zur zeitgleichen Demo der Rechten in Erfurt reicht auch, um das Biedermann Image der Nazis, die sich gerne als friedliebend den Bürgern demonstrieren wollen, zu widerlegen. Dort hab es zahlreiche Stein- und Flaschenwürfe aus der Nazidemo heraus, sowie Angriffe auf die Polizei. Linke Krawallbrüder?

  8. Klara schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 13:23

    Klarzustellen ist: die Mitglieder NPD sind keine Demokraten die einen pluralistischen Rechtstaat wollen. und Nazipropaganda unkommentiert im blog rumfliegen zu lassen halte ich für äusserst bedenklich.
    Auch wenn ich nicht an eine “autonomie” im kapitalismus glaube, würde ich nicht antifaschisten die unter diesem label gefasst werden bzw. es sich selbst aufkleben als generell dumm bezeichnen. ich halte es für untragbar das leute, deren wahnvorstellungen zu auschwitz und damit zur vernichtung des europäischen judentums geführt haben ihren revisionistischen und antisemistschen müll ungehindert verbreiten können. wenn dafür die s4 2 tage nicht fährt, halte ich das für tragbar.
    inhaltlich ist der antisemitsch aufgeladene und antisemitisch gemeinte “antikapitalismus” der neonazis, ob “demokratisch” oder “autonom”, nicht neu, sonder findet sich auch schon im historischen ns.
    die volksgemeinschaft nivelliert den klassengegensatz zum mordkollektiv, das ist das programm dahinter, wohingegen die grundlegenden kategorien des kapitalismus unangetastet bleiben.
    wer heute vom “heimatlosen kapital der ostküste” redet, benutzt antisemitsche kodierungen und redet der vernichtung das wort.
    und noch was zu den angeblichen stalingrad idioten: So unerfreulich und unmenschlich der krieg in allen erscheinungsformen ist, war stalingrad ein notwendiger und entscheidender militärischer erfolg, der den anfang vom ende des nationalsozialismus und damit des industriellen massenmordes und der kriegsmaschinerie bedeutete. idiotie wäre es, den anteil der alliierten und auch der roten armee an der befreiung vom grauen zu verleugnen.

  9. otto schreibt:
    3rd.Mai 2007 um 14:07

    das wofür die npd und ihre jugendorganisationen halten is nich das was sie sind.natürlich müssen sie behaupten wir wollen demokratie gewaltenteilung usw.aber im endeffekt vertreten sie genau die 2 “jungens” die in punkto geschichte ja noch was lernen müssen.
    das problem ist dass diese jungens nur die ideologie bei denen lernen.
    von wem haben die beiden das denn wohl?
    jeder weiss wenn er sich ein wenig mit der npd auseinander setzt wen die npd vertritt wie sie denkt und worum es geht.

  10. :) schreibt:
    5th.Mai 2007 um 00:44

    vielleicht haben die nazis turnschuhe und hawaihemden getragen, weil sie keine springerstiefel und nazi t-shirts tragen durften

  11. FNHA schreibt:
    5th.Mai 2007 um 11:21

    Erfolgreich behindert?
    Unter dieser Aussage verstehe ich was anderes als sinnlos duch die Innenstadt zu laufen und die Schaufensterscheiben einzuschlagen. Gegen wehrlose Gegenstände seid ihr Linken Idioten stark. Behindert habt IHR uns NICHT. Wenn dann waren es die Männer in Zivil und Uniform. Oder meint ihr wenn 5 Leute am Straßenrand stehen und “Nazis Raus” schreien behindert ihr uns? NIEMALS. Dadurch werden wir nur lauter. Also randaliert ruhig weiter. dann sehen die Bürger wer die Bösen sind.

    88

  12. NPD KV UNNA/HAMM schreibt:
    5th.Mai 2007 um 13:56

    Überraschend, dass Sie unseren Kommentar überhaupt veröffentlichen. In sofern danke. Was uns allerdings wundert ist die Reaktion einiger Schreiber und Schreiberinnen, die immer noch in ihrem Nazifetichismus befangen sind. Wieso eine Volksgemeinschaft zwangsläufig zum Mordkollektiv werden muss, können wir beim besten Willen nicht nachvollziehen. Genauso wenig wie eine Klassengesellschaft zwangsläufig zum Mordkollektiv werden muss wie es in der UdSSR und China geschehen ist, die die Opferzahlen des NS locker überboten haben. U.E. sollte man sich ernsthaft auseinander setzen und nicht Sprachhülsen und leere Floskeln austauschen.In dem Sinne.

  13. Jan-Paul schreibt:
    5th.Mai 2007 um 17:15

    @ Paul Rein und NPD Hamm/Unna: Trotz meiner Überraschung über den aufgeweichten Dress-Code habe ich doch eine ganz Menge bewußt nach außen getragener, klarer Rückbezüge auf Nazi-Ideologie von verklausulierenden Zahlenspielchen in der Art von “88″ über das provokante Transparent mit der impliziten Verbindung von Katpitalismus und Judentum und die Forderung auf Straffreiheit für die Holocaust-Leugnung - noch zusätzlich zu den beschriebenen- gefunden. Mehr konnte man unter Polizeiauflagen und im Rahmen der Gesetze an sprachlichen und symbolischen (Farbwahl, Typographie) Kontinuitäten wohl nicht unterbringen. Ich nehme der “nationalen Bewegung” wie der NPD die geistige Emanzipation von der NSDAP in keiner Weise ab. Die “schwarzen Schafe” scheinen mir in Ihrer Herde doch stark überrepräsentiert. Auch den ewigen Vergleich der “militanten” Antifa mit den “ach so friedlichen” Neonazis halte ich für vollkommen fehlgeleitet. Siehe dazu “Essen West”, dessen Kommentar ich vollkommen unterstütze.

    Den Weg des Widerstandes gegen meines Erachtens erschreckende faschistophile Gruppierungen mit Gewalt lehne ich ab, Aufklärung und Auseinandersetzung tut Not, um die Denkmuster der Neonazis zu verstehen - und letztlich zu trennen zwischen legitimen Konservatismus/reaktionären Weltbildern, die eine liberale Gesellschaft tolerieren muss, und menschenverachtender Ideologie.

    Dennoch kann ich die Wut einzelner linker Aktivisten (die mit dem Adrenalin und dem “Ereignischarakter” wohl für die Militanz ausschlagegend ist) gut verstehen - selbst wenn ich den Bericht so nüchtern wie möglich verfasst habe, hat mich vor allem die Rede Worchs und das brodelnde Aggressionspotential verzweifelt gemacht.

    @Essen-West: Ich wußte schon beim Schreiben, dass ich mir mit dem rechts-links Begriffspaar Probleme ins Haus hole. Du hast vollkommen recht: Rechts und links sind als politische Begriffe in meinen Augen über einem pragmatischen Gebrauch hinaus nicht für Analysen zu gebrauchen. Interessant finde ich nur, dass das Öko-Thema dann zumindest lange “links”, d.h. dann “grün” nach Abspaltung von den rechten Strömungen im öffentlichen Diskurs besetzt war. Wichtig war mir, dass die Rechten jedes politische “In-Thema” populistisch zu vereinnahmen versuchen und sich mit der extremen Linken in einer Art “Symbolhoheitsstreit” befindet.

    @Klara: Ich habe lange überlegt, ob Du recht hast, dass es ein Fehler war, die rechten Posts einzustellen. Sie verstoßen nicht gegen das Grundgesetz und wenn ich Meinungsfreiheit und Diskussion auch mit dem ärgsten politischen Feind ernst nehmen will, muss ich auch solche Reaktionen veröffentlichen. Die Tatsache, dass ich so lange mit einem Kommentar darauf gewartet habe kannst Du sicherlich bemängeln, da stimme ich Dir zu.

    Zum Thema “Anti-Kapitalismus”: Auf die historische Parallele wollte ich mit dem Strasser-Vergleich hingewiesen haben, in meiner Wahrnehmung hat sich die Rechte nur in letzter Zeit in Reaktion auf den Themenkomplex Massenarbeitslosigkeit/Globalisierung noch stärker in diese “antikapitalistische” Richtung bewegt.

    Deine These des Automatismus “von Volksgemeinschaft zu Völkermord” halte ich für ein wenig zu stark, auch wenn ich Deine theoretischen Gedanken dahinter verstehe. - Es gibt genug Nationen die sich stärker über Volkselemente identifizieren und nicht gleich Vernichtungslager bauen.

    Bezüglich des Stalingrad-Sprechgesangs: Ich halte ihn immer noch für geschmacklos und unnötig provokant. Auch wenn ich froh bin, dass der Krieg mit der deutschen Kapitulation zu Ende ging, bin ich traurig um jedes Kriegsopfer, ob nun zivil oder im Miltitär von wem auch immer, der sein Leben so sinnlos hingeben musste und froh um jeden der überlebt hat. Es gibt keine Helden, nirgendwo, aber auch keinen Menschen, denen ich direkt den Tod wünsche.

    Die nächsten beiden Kommentare (vor allem der erste), die ich jetzt freischalten werde, machen wirklich Probleme - ich halte sie aus Dokumentationsgründen aber für wichtig:

    zum 1. Eintrag der FNHA: Ich glaube an diesem Beitrag sieht man, dass meine beiden Interview-Partner mit ihren Ansichten scheinbar doch nicht so alleine auf der Demo waren. Ich hoffe für den Autor, dass er mit “88″ nicht nur sein politisches Programm, sondern auch sein zartes Alter im Sinne des Geburtsjahrgangs offenlegt. Will noch jemand behaupten, auf dieser Demo wären keine Nazis gewesen?

    zum 2. Eintrag der NPD: Auch wenn ich inhaltlich (s.o.) im ersten Schritt der Argumentation teilweise zustimmen muss, halte ich den zweiten Teil für ein typischs rechtes Denkschema. Ich glaube nicht, dass “wir” einen “Nazifetisch” haben - nur gesunde Sorge, um unsere nicht perfekte, aber verteidungswürdige und im Vergleich unglaublich fortschrittliche Grundordnung. Scheinbar hat aber die NPD einen “Aufrechnungs”-Fetisch. Die Shoa war einzigartig - ich habe jetzt wirklich keine Lust zynisch “Alleinstellungsmerkmale” der Judenvernichtung gegenüber anderen Völkermorden aufzuzählen. Die Gulags und die Kulturrevolution haben auch Massen unschuldiger Menschen umgebracht, aber ganz ehrlich - ich kümmere mich erstmal um den Dreck vor meiner Haustür, in meinem Kulturraum. So wenig ich von Erb- und Kollektivschuldkonzepten halte - für mich ist es bedeutend und beschämend, wenn ein Deutschland, dem ich wenn auch bestimmt nicht stolz, aber affirmativ und einfach als einer seiner Bewohner verbunden bin, noch vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert zum massenindustriellen Völkermord fähig war. Man sollte die deutsche Geschichte nicht auf diesen Punkt verengen, aber sich damit ausgiebig zu beschäftigen halte ich für wichtg. Heute und in zweihundert Jahren.

  14. :) schreibt:
    6th.Mai 2007 um 08:50

    sicher ist der dialog wichtig um zu verstehen! ebenso wichtig ist die auseinandersetzung und die toleranz!

    zu dem ob die linken die nazidemo behindert haben oder nicht. ich denke sie haben einmal mehr erreicht das niemand sagen kann: “Wir haben es nicht gewusst”. vielleicht haben sie nicht alle räder aber sehr wahrscheinlich dieses erfunden. wie gesagt, danke an alle vor allem an die jungen antifaschisten, weil sie den mut und die courage haben gegen die nazis zu demonstrieren. es gibt ausreichend beweise dafür, dass dies häufig ausreicht um von den oben genannten mindestens bedroht zu werden. gewalt ist keine lösung!

  15. Verdulo schreibt:
    6th.Mai 2007 um 21:37

    Auch von mir erstmal: Danke für den lesenswerten Bericht :-)

    Eine Anmerkung zu der Blockade der S4: In vielen Medien wurde leider nur berichtet, dass von “Autonomen” die Strecke blockiert wurde, nicht aber warum: Der Grund war einfach, dass einige DemonstrantInnen (unter denen ich mich übrigens nicht befand) verhindern wollten, dass die Rechten zu ihrem Kundgebungsort gelangen. (Durch mit Hilfe der Stadwerke wurden sie leider mit einigen Stunden Verspätung doch zu einem Kundgebungsort gebracht), für die übrigen NutzerInnen war natürlich sehr ärgerlich.

    Zu der Behauptung, dass Rechte keine Steine geworfen hätten: Doch, das ist auch passiert (allerdings im Schutze der Dunkelheit) und dass die dadurch umherfliegenden Scherben niemanden ernsthaft verletzt haben, war nur ein glücklicher Zufall.

  16. admin schreibt:
    6th.Mai 2007 um 22:57

    Ein interessanter Artikel mit ähnlichen Diagnosen, auf den ich gerade mehr oder minder zufällig gestoßen bin:
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,480241,00.html

  17. TerrorMieze schreibt:
    9th.Mai 2007 um 16:57

    Tja,ich wa dabei… und es wa einfach nur geil die demo ! es sollten immer so viele dabei sein !!!!

  18. Essen-West schreibt:
    10th.Mai 2007 um 00:05

    @Jan-Paul:
    mit der erweiterung deinerseits kann ich dir nur voll zustimmen

  19. Terrorbert (nicht wirklich) schreibt:
    10th.Mai 2007 um 19:53

    Stell Dir vor es ist Nazidemo und Alle anderen (Gewerkschaften, Kulturvereine, Parteien, Bürgermeister, Schulen, Kirchen, etc. demonstrieren geschlossen dagegen.

    Die Naziveranstaltung könnte nicht nur behindert sondern verhindert werden. Behindert hat die Antifa definitiv:-) oder wieso ist ein großer Teil der Nazis erst kurz vor Ende an ihrem Kundgebungsort erschienen? Bei Bedarf kann ich weitere Beispiele nennen

  20. :) schreibt:
    10th.Mai 2007 um 22:47

    Wenn du einen Nazis siehst, küss ihn. Eine finanzielle Vergütung it möglich.

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